Aus unseren Archiven

Archive, Archive...Der Verein “Lied und soziale Bewegungen e.V.”, Hauptveranstalter des “Festivals Musik und Politik”, bewahrt in seinen Archiven so manchen Schatz, zum Beispiel aus der zwanzigjährigen Geschichte des “Festivals des politischen Liedes” von 1970 bis 1990. Durch mangelnde Finanzierung (Arbeitskräfte!) ist noch längst nicht alles aufgearbeitet. Dies gilt auch für die unzähligen Tonaufnahmen von Festivalveranstaltungen.

Aufgrund regelmäßiger Nachfrage bemühen wir uns, unsere Archive auch für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. Neu bei uns ist das öffentlich zugängliche und durchsuchbare Liedblattarchiv. Hier haben wir nahezu 600 Titel erfasst, zu denen uns Noten und Texte vorliegen.

Einige Einblicke in unser Plakatarchiv gibt es HIER. Weitere Datenbanken wie zum Beispiel unser riesiges Musikarchiv sind bislang leider noch nicht öffentlich zugänglich, da uns entsprechende Mittel für den Betrieb einer erweiterten Webseite fehlen.

Wenn Sie für journalistische Zwecke, zur Forschung oder für Ausstellungen und Dokumentationen weiteres Material benötigen, sprechen Sie uns bitte an.

Das Festival live bei Rockradio.de

Rockradio.deWie schon in den vergangenen Jahren gibt es anlässlich des “Festivals Musik und Politik” wieder Liveübertragungen aus dem Festival über das Webradio Rockradio.de. Der Umfang wurde erheblich ausgeweitet: gleich drei abendfüllende Hauptveranstaltungen des Festivals werden komplett ausgestrahlt!

Ergänzend zum Hörerlebnis überträgt Rockradio.de im Rahmen der Sendungen auch Schnappschüsse vom Konzert über eine Webcam; zudem gibt es während der Sendezeit einen Livechat mit den Radiomachern vor Ort.

Freuen dürfen wir uns also auf dialektisch-absurden Humor im Konzert von “MTS” und “Der Black”, musikalische Neuentdeckungen beim Konzertabend der “Liederbestenliste” und ein umfangreiches Sonderkonzert mit sieben (!) Einzelprogrammen in der “Eisleriade”.

Letztere wird übrigens – das ist ein Novum in der Festivalgeschichte – in Kunstkopfstereofonie übertragen und vermittelt damit ein besonders echtes Live-Erlebnis! Wer es also nicht schafft, in Berlin live dabei zu sein, ist herzlich eingeladen, uns an diesen Abenden zumindest im Stream zu besuchen.

Festival-Videotrailer 2012


Videoproduktion: Stefan Paubel

Berliner Kulturstandort bedroht… und damit das Festival

Einige der wichtigsten Festivalstandorte liegen im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg, konzentriert im “Kulturareal im Ernst Thälmann Park”. Dazu gehört die traditionsreiche WABE, die zu DDR-Zeiten als Kulturhaus für den Bezirk errichtet wurde und bis heute ein überregional wichtiger Kulturstandort ist. Unzählige Künstler aus nahezu allen Musikszenen und aus der ganzen Welt traten und treten hier auf.

Doch diese Bühne ist, genau wie das Theater unterm Dach, Galerie und Jugendtheateretage (ehemals ZwiEt) bereits seit Jahren und jetzt auch wieder akut von Schließung bedroht.  Die WABE wird auf Sparflamme gekocht; sie überlebt nur aufgrund des Engagements ihrer wenigen festen Mitarbeiter und der Aktivitäten des Aktionsbündnisses Berliner Künstler.

Befremdlich ist nicht nur, dass die öffentlichen Kulturträger des Bezirkes Pankow/Prenzlauer Berg (und beileibe nicht nur die WABE!) praktisch platt gemacht werden, sondern auch, dass die im Haushalt des Bezirkes fehlenden Mittel nur Bruchteile der Beträge darstellen, die anderswo in Berlin für Hochglanz- und Prestigeprojekte verbraten werden. Gleichfalls unerhört ist die Tatsache, dass selbst vertraglich gebundene Veranstaltungen wie unser Festival davon bedroht sind.

Dazu gibt es einen Brief des Festivalleiters Dr. Lutz Kirchenwitz an den Kulturstaatssekretär André Schmitz und den Kulturstadtrat von Pankow, Torsten Kühne. Im folgenden der Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Schmitz,

seit zwölf Jahren veranstalten wir in Berlin das internationale Festival Musik und Politik, zu einem Teil in Veranstaltungsstätten wie der Kulturbrauerei oder der Volksbühne, zum anderen Teil aber im Kulturareal Thälmann-Park mit der WABE im Mittelpunkt. Hier findet der Hauptteil des Festivals mit Ausstellungen, Gesprächen, Filmvorführungen und Konzerten statt.

Schon mehrfach drohte das Festival durch Schließungspläne bzw. Haushaltssperren in Pankow buchstäblich in letzter Minute zu scheitern. Das ist nun wieder der Fall.

Wir haben in Kooperation mit den Woody Guthrie  Archives (New York), der Internationalen Hanns Eisler Gesellschaft, der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem DeutschlandRadio und anderen Partnern ein Programm vorbereitet, Plakate, Programmhefte und Flyer gedruckt, und nun hat die WABE keine Veranstaltungsmittel und ist von der Schließung bedroht. Das ist kräftezehrend und tödlich für eine kontinuierliche Kulturarbeit.
 
Sehr geehrter Herr Schmitz, wir bitten Sie, sich für die Freigabe der  Veranstaltungsmittel und gegen die Pankower Schließungspläne einzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Lutz Kirchenwitz
LIED UND SOZIALE BEWEGUNGEN E.V.
c/o Dr. Lutz Kirchenwitz

Weiter Informationen:

Zum Vorverkauf für das “Festival Musik und Politik”

Hier finden Sie alle Informationen zum Ticket-Vorverkauf und zu freien Veranstaltungen des “Festivals Musik und Politik” 2012. Klicken Sie einfach auf die Frage, die Sie interessiert:

Gibt es ein Gesamt-Ticket zum Festival 2012?

Das Festival bündelt strukturell unterschiedliche Spielstätten und Mitveranstalter wie öffentliche Theater und Kulturhäuser, aber auch private Klubs, Stiftungen und Jugendvereine. Jeder dieser Kooperationspartner verfügt über eigene Haushalte und Finanzbestimmungen. Daher wäre eine Gesamtkarte für das Festival im Einzelnen kaum abrechenbar. Zudem sparen wir die Kosten für ein fälschungssicheres Ticket- oder Couponsystem und stecken sie dafür in die Künstlergagen oder Reisekosten.

Wo gibt es Karten für die WABE?

Die Tickets für die WABE können unter der Rufnummer (030) 9 02 95 38 50 vorbestellt werden. Dort können Sie Ihren Namen und die gewünschte Anzahl hinterlassen.

Die Tickets für die WABE-Veranstaltungen im Rahmen des Festivals kosten in diesem Jahr 15 EUR, ermäßigt 10 EUR. Ein "echter" Vorverkauf ist aufgrund der günstigen Preise leider nicht möglich; jedoch klappt die Kartenvorbestellung problemlos.

Wo gibt es Karten für das Kesselhaus?

Das Kesselhaus in der Berliner KulturBrauerei verfügt über eigene Vorverkaufskasse. Diese befindet sich im Gebäude 7.2 (Eingang K) rechts neben der Alten Kantine.

Öffnungszeiten: Mo-Fr 12-18 Uhr, Tickethotline (030) 44315100
Der Vorverkaufspreis für das Konzert "Woody Guthrie 100" beträgt 24,90 EUR / ermäßigt 20,00 EUR.

In der Regel ist es möglich, Tickets für Veranstaltungen im Kesselhaus für 48 Stunden zu reservieren. Diese Reservierungen sind namensgebunden und verfallen automatisch, wenn die Tickets nicht innerhalb dieser Frist im Ticketcenter abgeholt werden
Vorverkauf bei eventim

Auch über die die Ticketsysteme von eventim können Karten in vielen Vorverkaufsstellen und online geordert werden. Klicken Sie bitte auf das eventim-Logo, um direkt für die Festivalveranstaltung im Kesselhaus Eintrittskarten zu kaufen.

Gibt es denn auch Festivalveranstaltungen mit freiem Eintritt?

Ja, die gibt es. Grundsätzlich ist der Eintritt zu unseren Gesprächsveranstaltungen - Künstlergespräche, Podiumsdiskussionen, ggf. Vorträge - frei. Auch die Ausstellungen, manche Musikveranstaltungen und Filmvorführungen können kostenlos besucht werden. In diesem Jahr trifft dies auf folgende Programmteile des Festivals zu:

Ausstellung: “An Mut sparet nicht noch Mühe” Hanns-Eisler-Bilder

Hanns Eisler

Hanns Eisler

gefördert durch die Hanns und Steffy Eisler Stiftung.

Hanns Eisler sei der “Karl Marx des Kommunismus auf dem Gebiet der Musik”, so lautet der Vorwurf des Chef-Ermittlers vor dem berüchtigten Ausschuß zur Untersuchung unamerikanischer Aktivitäten in Washington 1947. Er fühle sich geschmeichelt, erwiderte der Beschuldigte kämpferisch. Zu diesem Zeitpunkt lag seine Kampfmusik-Phase, die ihn zu dem wohl bedeutendsten Musiker der Arbeiterbewegung gemacht hatte, bereits weit zurück. Eisler zählte nun zu den erfolgreichen Hollywood-Komponisten, wohnte in Malibu direkt am Pazifikstrand und hatte eigentlich vor, die US-Staatsbürgerschaft zu erwerben. Ein halbes Jahr später wurde er zurück nach Europa gezwungen. Zunächst landete er in Wien, wo er von seiner frühen Kindheit bis zum Abschluss des Studiums bei Arnold Schönberg gelebt hatte. Jedoch war eine Figur wie Eisler auch hier unerwünscht. Aus dieser Perspektive betrachtet, könnten seine DDR-Jahre als ein zweites Exil interpretiert werden, wenngleich diesmal keine lebensbedrohende Situation zugrunde lag. Sein erstes Exil ab 1933, die Flucht vor den Nazis, hatte ihn, “öfter als die Schuhe die Länder wechselnd”, schließlich in die USA getrieben. Politische Katastrophen und existenzielle Nöte haben sein Leben geprägt. Seine Musik ist ebenso vielfältig wie die gesellschaftlichen Verhältnisse, für die sie komponiert wurde.

Vor 50 Jahren starb Hanns Eisler in (Ost-)Berlin. Mit Hilfe der Künste die Welt zu verändern, weil diese es brauche, blieb immer sein Ziel. Die innovative Kraft seines Werks hat Generationen von Musikern und Hörern inspiriert – doch wie aktuell ist es für uns heute?

Es sprechen zur Eröffnung:

  • Maren Köster (Musikwissenschaftlerin)
  • Lutz Kirchenwitz (Kulturwissenschafter, Vorsitzender des Vereins Lied und soziale Bewegungen)

Musik:

Komplettes Programmheft zum Download

Als “schnellen Service” haben wir das komplette 32seitige Programmheft des diesjährigen Festivals zum Download als pdf-Dokument bereitgestellt.

Die wichtigsten Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie auch auf unserer Webseite in der Programmübersicht und in den Artikeln zum Festival 2012.

Konzert: Tom Morello (USA), Woody Sez (USA), Wenzel & Band

In Zusammenarbeit mit “Helle Panke” e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin und der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika

Woody Guthrie 100 – Konzert zum 100. Geburtstag des legendären US-amerikanischen Singer/Songwriters (mehr darüber bei “Woody Guthrie 100″)

Woody Sez

Woody Sez

Woody Sez (USA)
“The Life And Music of Woody Guthrie”
 ist ein Musical, interpretiert von vier US-amerikanischen Schauspielern/Musikern in typischer Folkbesetzung (Gitarre, Baß, Banjo, Geige usw.). Der Titel geht auf eine gleichnamige Kolumne zurück, die Woody Guthrie in den Dreißigerjahren für den Daily Worker schrieb, die 1924 gegründete Tageszeitung der KP in den USA. Das Publikum erfährt nicht nur etwas über Guthries Lieder, sondern auch über sein Leben, seine Leidenschaft und seine Schwächen. Woody Guthrie ist Troubadour, Hofnarr und politisierender Bänkelsänger in einer Person.

Wie viele andere vor ihm schrieb er oft neue Texte zu alten Liedern und Melodien, Texte, mit denen die traditionellen Fiddletunes, Schurkenballaden, Kinder- oder Liebeslieder einen tieferen Sinn bekamen. Woody Guthrie wollte mit seiner Musik den Menschen eine Stimme verleihen, die in der Gesellschaft nicht gehört wurden. Oder wie John Steinbeck es ausdrückte: “Er singt die Lieder eines Volkes, und ich habe den Verdacht, er ist irgendwie dieses Volk. Woody hat nichts Liebliches an sich, auch seine Lieder nicht. Doch diejenigen, die ihm zuhören, werden etwas viel Wichtigeres darin finden: den Willen des Volkes, der Unterdrückung standzuhalten und gegen sie zu kämpfen.” Woody Sez legt davon Zeugnis ab. Das Programm holt Guthries Anliegen in die Jetztzeit. Mit einer Musik, die uns irgendwie vertraut ist. Ganz nach seinem Motto: “Ich möchte nur als der bekannt sein, der dir etwas erzählt, was du eigentlich schon längst weißt.

“Guthrie musical is a must-see” (Morning Star)

Aktuelle CD:

Wenzel

Wenzel

Wenzel ist seit 1976 aus der deutschen Lied- und Kulturszene nicht mehr weg zu denken. Der Vollblutkünstler hat viele Gesichter: Er ist Musiker, Sänger, Komponist, Regisseur, Autor und Clown in einer Person. Er verweigert sich allen Schubladen, ist ein “Allround-Talent”, das “wie kaum ein anderer mit Sprache zu jonglieren versteht” (Nordwestfälische Zeitung). Mit unnachahmlicher Leichtigkeit verbindet er Melancholie und Lebenslust, und es ist nahezu unmöglich, seinem Sprachwitz und seiner mitreißenden Energie zu widerstehen. 1986 veröffentlicht Wenzel seine erste Schallplatte, “Stirb mit mir ein Stück”, sie erlangt schnell Kultstatus. Es folgen bis heute über 30 CD Veröffentlichungen und mehrere Bücher. Charakteristisch für Wenzel sind Vertonungen großer Texte anderer Künstler, wie zum Beispiel Theodor Kramer, Christoph Hein, Henriette Haill, Woody Guthrie, Bob Dylan.

Tourneen führten Wenzel durch Frankreich, Österreich, Amerika, Nikaragua, die Türkei… Er stand mit Arlo Guthrie, Randy Newman, Ferhat Tunc, Konstantin Wecker und vielen anderen auf der Bühne. Er hat Ehrungen überstanden von der GOLDENEN AMIGA, dem Heinrich-Heine-Preis über den Deutschen Kleinkunstpreis, die Ehrenantenne des Belgischen Rundfunks, den deutschen Liederpreis bis zum Preis der deutschen Schallplattenkritik (acht Mal). Er bleibt sich dennoch treu und kümmert sich weder um Schubladen noch modische Attitüden. Sein Werk speist sich aus einer schier unerschöpflichen Quelle. Zuletzt erscheinen die CD “Kamille und Mohn” und ein neuer Gedichtband “Seit ich am Meer bin” mit einem gleichnamigen Hörbuch. 2002/2003 hat Wenzel unveröffentlichte Texte von Woody Guthrie vertont und auf der CD “Ticky Tock – Wenzel singt Woody Guthrie” veröffentlicht. Diese Lieder wird er zum Jubiläum “Woody Guthrie 100″ natürlich wieder singen.

Aktuelle CD:


Tom Morello

Tom Morello

Was verbindet Tom Morello (USA) mit US-Präsident Obama? Beide haben einen kenianischen Vater und eine weiße US-amerikanische Mutter. Beide stammen aus dem Mittleren Westen des Landes und haben einen Harvard-Abschluss. Das ist aber auch schon das Ende der Gemeinsamkeiten. Denn anders als bei Obama ist Morellos Name eng mit moralischem Aufbegehren und handfestem Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten der Gesellschaft verbunden. “Wer Veränderung will, der muss selbst dafür sorgen”, sagt er. Von “oben herab” würde sich die nicht einstellen.

Berühmt wurde Tom Morello als Gitarrist von Rage Against The Machine und Audioslave. In der Liste der 100 besten Saitenzauberer aller Zeiten des Rolling Stone rangiert er auf Platz 26! Teil seines sozial-musikalischen Engagements ist sein Alter Ego als The Nightwatchman – als Alternative zu den aufwändigen Megashows von Audioslave konzipiert. “One Man Revolution” hieß 2007 sein Solodebüt als Sänger, nur mit akustischer Gitarre und Mundharmonika – in Anlehnung an Woody Guthrie. Sein aktuelles Album “World Wide Rebel Songs” erinnert musikalisch wieder mehr an die Rockmusik seiner alten Bands. Am politischen Anspruch seiner Texte hat sich nichts geändert. “Troubled times call out for troubled songs!”, lautet Morellos Motto. Wobei er eins ganz sicher wisse: “Es gab keine erfolgreiche progressive, radikale oder revolutionäre Bewegung in unserem Land ohne guten Soundtrack.” Tom Morello versteht sich als Teil dieses Soundtracks und verbreitet ihn überall dort, wo er auftritt, ob bei Occupy Wall Street oder bei den Protesten gegen Wisconsins Gouverneur Walker.

Aktuelle CD:

RootMusic BandPage by Tom Morello

Film: “Woody Guthrie – Ain’t Got No Home”

Woody Guthrie

Woody Guthrie

USA 2006
OF, 90 Minuten

Regisseur Peter Frumkin zeichnet in dieser für die nicht-kommerzielle TV-Senderkette Public Broadcasting Service (PBS) produzierten Dokumentation Leben und Karriere von Woody Guthrie nach. Von seiner Kindheit in Oklahoma und Texas über seine Zeit in Kalifornien und die Jahre in New York bis zu seinem Tod 1967. Zu Wort kommen Weggefährten wie Pete Seeger und Maxine “Lefty Lou” Crissman, Musiker unserer Tage wie Bruce Springsteen, Guthrie-Biografen wie Joe Klein und Ed Cray sowie Familienmitglieder. Darunter seine erste Frau Mary Jennings Boyle, seine Schwester Mary Jo Guthrie Edgmon und Tochter Nora Guthrie. Auch Woody Guthrie selbst ist kurz “live” zu sehen. Das rare Filmmaterial, das es mit ihm gibt, macht insgesamt keine zehn Minuten aus.

Zur Woody-Guthrie-Filmografie gehört Hal Ashbys 1975 erschienener Spielfilm “Bound For Glory” mit David Carradine in der Hauptrolle. Haskell Wexler bekam hierfür 1976 einen Oscar für seine Kameraführung. Eine weitere Dokumentation ist “Man In The Sand”, in der die Entstehung von Billy Braggs gemeinsam mit Wilco eingespieltem und Grammy-nominiertem Album “Mermaid Avenue” festgehalten wurde. Als Erzähler ist Billy Bragg auch in dem 2005 in England von Regisseur Stephen Gammond produzierten Film “This Machine Kills Fascists” zu hören. Eine Rarität ist die Anfang der Vierzigerjahre entstandene und im Jahr 2000 wiederveröffentlichte Dokumentation über den Bau der Staudämme am Oregon River. Die Bonneville Power Administration hatte Woody Guthrie damals für einen Monat eingestellt, damit er Musik für den Film schreibt. In 30 Tagen brachte er 26 Songs zu Papier. Darunter “Roll On Columbia”, “Pastures Of Plenty” und “Grand Coulee Dam”.

Gespräch: Tom Morello (USA), Woody Sez (USA), Wenzel

  • David M. Lutken (USA, Woody Sez)
  • Tom Morello (USA)
  • Hans-Eckardt Wenzel
  • Moderation: Michael Kleff (Folker-Chefredakteur)
Tom Morello

Tom Morello

Woody Guthrie war ein Mann, der “den ewig diskutierten Widerspruch zwischen ‘Kunst’ und ‘Leben’ mit einfachsten Mitteln aufzuheben vermochte”. So beschreibt Hans-Eckardt Wenzel den Folkmusiker, der als einer der großartigsten Balladenschreiber der Vereinigten Staaten gilt. Geboren am 14. Juli 1912, gestorben am 3. Oktober 1967, ist Woody Guthrie heute aktueller denn je, “ein Gitarrenpicker mit drei Akkorden, aber mit den Gedanken eines Dichters und der nötigen Empfindsamkeit, um die Hymnen, Geschichten und Träume der Menschen, denen er begegnete oder die er erfand, in Worte zu fassen” (Lou Reed).

David M. Lutken - Foto Wendy Mutz

David M. Lutken

In “Pretty Boy Floyd” bringt Guthrie in zwei Zeilen – “Manche Leute rauben dich mit einem Revolver aus, andere mit einem Füllfederhalter” – zeitlos auf den Punkt, was viele Menschen fühlen: Politik und große Konzerne stehlen sich aus der Verantwortung. Wenn Woody Guthrie heute in den Vereinigten Staaten unterwegs wäre, was würde er wohl über die Lage der amerikanischen Arbeiter denken, über die Gewerkschaften, die konzentrierte Macht des Kapitals und Occupy Wall Street? An vielen Schauplätzen der Bewegung erklingt zwar Musik, eine eigene Hymne gibt es jedoch (noch) nicht.

Die Gesprächsrunde soll vor diesem Hintergrund unter anderem der Frage nachgehen, welche Verantwortung Künstler haben. Wie können sie zu den politischen Fragen der Gegenwart Stellung nehmen? Mit welchen Mitteln können sie die Menschen wirksam erreichen?

Wenzel

Wenzel

Das Gespräch wird in englisch geführt und simultan ins Deutsche übersetzt.

Im Kesselhaus findet am Abend ein Konzert mit den Künstlern statt – weitere Informationen hier.

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